Wofür muss dein Einkommen eigentlich alles reichen?
Finanzhirn-Gedanke Nr. 3
Dein Einkommen finanziert nicht nur dein Leben heute. Es muss auch Raum für dein zukünftiges Leben lassen.
Wenn dein Gehalt, deine Bezüge oder Geld aus deiner Selbstständigkeit auf dem Konto eingehen, wirkt es zunächst wie Geld für diesen Monat: für Miete oder Kreditrate, Lebensmittel, Auto oder Bahn, Freizeit, Kleidung, Urlaub und all die anderen Dinge, die zu unserem heutigen Leben gehören.
So betrachten wir unser Einkommen ganz automatisch. Wir schauen darauf, was hereinkommt, was wieder hinausgeht und was am Ende vielleicht noch übrig bleibt.
Das ist verständlich. Aber eigentlich hat unser Einkommen eine deutlich größere Aufgabe.
Es finanziert nicht nur unser heutiges Leben. Es muss auch Raum für unser zukünftiges Leben lassen.
Unser Leben besteht nicht nur aus Monaten mit normalem Einkommen
Denn nicht jede Lebensphase wird finanziell so aussehen wie heute.
Vielleicht gibt es irgendwann eine Elternzeit, du möchtest deine Arbeitszeit reduzieren oder eine längere berufliche Auszeit nehmen. Vielleicht steht Wohneigentum auf dem Plan, eine größere Anschaffung oder eine Reise, die dir besonders wichtig ist.
Und auch unser Einkommen selbst ist nicht garantiert: Es hängt unter anderem davon ab, dass wir arbeitsfähig bleiben und unser Erwerbseinkommen weiter fließt.
Möglicherweise gibt es also Zeiten, die sich heute noch gar nicht vorhersehen lassen – etwa Arbeitslosigkeit, Krankheit oder andere Veränderungen.
Irgendwann endet für die meisten Menschen schließlich auch das Erwerbsleben. Dann muss unser Lebensstandard beispielsweise durch gesetzliche Rente, Beamtenversorgung, private Vorsorge, Vermögen oder andere Einkünfte finanziert werden.
Das bedeutet:
Ein Teil unseres heutigen Einkommens finanziert unser Leben heute. Ein anderer Teil sollte dabei helfen, unser Leben von morgen möglich zu machen.
Stell dir dein gesamtes Einkommen einmal auf einem Haufen vor
Natürlich kennen wir die genaue Summe heute nicht. Trotzdem lohnt sich ein Gedankenexperiment.
Stell dir einmal vor, dein gesamtes verfügbares Einkommen aus deinem Erwerbsleben läge auf einem einzigen Haufen vor dir.
Vielleicht wären es 1,5 Millionen Euro, vielleicht 2 Millionen, vielleicht deutlich mehr oder weniger.
Die konkrete Zahl ist dabei gar nicht entscheidend.
Spannend ist vielmehr die Frage, was dieses Geld im Laufe deines Lebens alles finanzieren soll.
Es verteilt sich über Jahrzehnte auf Wohnen, Lebensmittel, Mobilität, Familie, Reisen, Freizeit, Kleidung, Versicherungen, größere Anschaffungen und vieles mehr. Gleichzeitig muss ein Teil möglicherweise Rücklagen bilden, zukünftige Ziele finanzieren oder Lebensphasen überbrücken, in denen weniger oder gar kein Erwerbseinkommen fließt.
Und irgendwann soll idealerweise auch noch genug vorhanden sein, um das Leben nach dem Erwerbsleben mitzufinanzieren.
Plötzlich bekommt die Frage, wie wir unser heutiges Einkommen verwenden, eine etwas andere Bedeutung.
Unser heutiger Lebensstandard beansprucht einen Teil dieses Geldes
Jeder Euro, den wir heute ausgeben, kann heute Lebensqualität schaffen. Er kann uns eine schöne Wohnung ermöglichen, einen Urlaub, ein Hobby oder einfach etwas, das uns wichtig ist.
Ein Euro, den wir zurücklegen, erfüllt eine andere Aufgabe. Er verschiebt einen Teil unserer finanziellen Möglichkeiten in die Zukunft.
Beides kann vollkommen sinnvoll sein.
Deshalb geht es bei guter Finanzplanung auch nicht darum, möglichst wenig auszugeben oder möglichst viel zu sparen.
Es geht vielmehr um eine Verteilung:
Wie viel meines Einkommens möchte ich für mein heutiges Leben verwenden – und wie viel brauche ich, um auch meinem zukünftigen Leben Möglichkeiten zu lassen?
Darauf kann es keine allgemeingültige Antwort geben.
Wer bereits gute Rücklagen aufgebaut, wenige finanzielle Verpflichtungen und ausreichend für später vorgesorgt hat, kann heute vielleicht einen größeren Teil seines Einkommens verwenden.
Wer dagegen noch Sicherheit aufbauen, größere Ziele finanzieren oder für Zeiten mit geringerem Einkommen vorsorgen möchte, muss möglicherweise einen größeren Teil für später reservieren.
Sparen ist deshalb kein Selbstzweck
Wenn du Geld zurücklegst, bedeutet das nicht einfach nur, dass du heute auf Konsum verzichtest.
Du gibst diesem Geld lediglich eine Aufgabe, die weiter in der Zukunft liegt.
Vielleicht soll es irgendwann eine Elternzeit erleichtern, eine größere Anschaffung ermöglichen, eine unerwartete Ausgabe auffangen oder dir im Ruhestand den Lebensstandard ermöglichen, der dir wichtig ist.
Damit verändert sich auch die Frage, die wir uns über unser Einkommen stellen können.
Nicht nur:
„Was kann ich davon heute ausgeben?“
Sondern auch:
„Wie möchte ich mein Einkommen über mein Leben verteilen?“
Ein Gedanke für dich
Schau einmal auf dein heutiges Einkommen und überlege, welche Aufgaben es bereits erfüllt.
Wie viel davon finanziert deinen heutigen Lebensstandard? Und welcher Teil sorgt dafür, dass du auch für dein zukünftiges Leben Möglichkeiten behältst?
Vielleicht sind das Rücklagen, deine Altersvorsorge oder Geld für ein bestimmtes Ziel.
Vielleicht stellst du aber auch fest, dass dein Einkommen heute bereits fast vollständig für dein aktuelles Leben gebraucht wird.
Beides ist zunächst nur eine Beobachtung.
Aber genau daraus entsteht die nächste spannende Frage:
Wie viel sollten wir eigentlich für später zurücklegen?
Der Finanzhirn-Gedanke
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