Warum Finanzplanung keine exakte Wissenschaft ist
Finanzhirn-Gedanke Nr. 2
Zahlen können uns helfen, unsere finanzielle Zukunft zu planen. Aber wie sicher sind die Ergebnisse eigentlich, wenn schon die Annahmen dahinter ungewiss sind?
Wir können heute nicht genau wissen, was unser zukünftiges Leben kosten wird.
Trotzdem sollten wir planen.
Aber wie funktioniert Finanzplanung eigentlich, wenn wir die Zukunft nicht kennen?
Dabei begegnen uns erstaunlich oft sehr konkrete Zahlen.
Vielleicht hast du schon Aussagen gehört wie:
„Du solltest 20 Prozent deines Einkommens sparen.“
Oder Berechnungen, die dir ziemlich genau sagen, wie groß deine spätere Versorgungslücke sein könnte oder wie viel Vermögen du bis zu einem bestimmten Alter aufgebaut haben solltest.
Solche Zahlen haben etwas Beruhigendes.
Sie wirken eindeutig.
Und genau darin liegt manchmal das Problem.
Eine Berechnung kann exakt sein – obwohl ihre Annahmen es nicht sind.
Nehmen wir eine langfristige Finanzplanung.
Dafür müssen wir Annahmen treffen:
Wie entwickelt sich dein Einkommen?
Wie verändert sich dein Einkommen beispielsweise während einer Elternzeit?
Wie hoch wird die Inflation sein?
Welche Rendite erzielst du?
Wie verändert sich dein Lebensstandard?
Welche Altersversorgung erhältst du später?
Wie lange wird dein Geld reichen müssen?
Für all diese Fragen können wir vernünftige Annahmen treffen.
Wissen können wir die Antworten heute aber nicht.
Eine Berechnung kann deshalb mathematisch völlig korrekt sein und trotzdem ein Ergebnis liefern, das sich später deutlich verändert.
Das macht solche Berechnungen nicht nutzlos.
Ganz im Gegenteil.
Modelle geben uns Orientierung.
Ohne Annahmen könnten wir langfristig überhaupt nicht planen.
Problematisch wird es erst, wenn wir eine hilfreiche Orientierung mit Gewissheit verwechseln.
Eine Sparquote von 20 Prozent kann beispielsweise für einen Menschen hervorragend passen – und für einen anderen zu wenig oder unnötig viel sein.
Auch eine berechnete Versorgungslücke kann ein sinnvoller Ausgangspunkt sein.
Aber sie bleibt ein Modell dafür, wie die Zukunft unter bestimmten Annahmen aussehen könnte.
Gute Finanzplanung braucht deshalb beides:
Zahlen – und das Bewusstsein für ihre Grenzen.
Wir können planen, rechnen, Szenarien durchspielen und Entscheidungen treffen.
Aber wir sollten bereit sein, unseren Plan anzupassen, wenn sich unser Leben oder unsere Annahmen verändern.
Vielleicht ist eine gute Finanzplanung deshalb weniger wie ein Fahrplan mit exakt festgelegter Ankunftszeit.
Sondern eher wie ein Kompass:
Er zeigt uns eine sinnvolle Richtung – auch wenn wir heute noch nicht jeden Meter des Weges kennen.
Ein Gedanke für dich
Gibt es in deinen Finanzen eine Zahl, die du bisher vielleicht eher als Gewissheit betrachtet hast?
Eine Sparquote?
Eine berechnete Versorgungslücke?
Ein bestimmtes Vermögensziel?
Oder einen Betrag, den du glaubst später unbedingt zu benötigen?
Oder hast du deine finanzielle Planung bisher – aus welchem Grund auch immer – noch gar nicht begonnen?
Frag dich einmal:
Was davon weiß ich tatsächlich – und was davon ist eigentlich eine Annahme?
Und falls du bisher noch gar nicht geplant hast: Vielleicht ist genau das ein guter Anlass, dich einmal mit deiner finanziellen Zukunft zu beschäftigen.
Du musst deshalb keine Berechnung über Bord werfen.
Vielleicht reicht schon ein kleiner Perspektivwechsel:
Zahlen können uns Orientierung geben, ohne uns Sicherheit versprechen zu müssen.
Der Finanzhirn-Gedanke
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