Sparen ist nicht gleich Vermögensaufbau
Finanzhirn-Gedanke Nr. 4
Nicht jeder gesparte Euro erfüllt dieselbe Aufgabe.
Wenn wir sagen:
„Ich spare jeden Monat.“
kann damit etwas völlig Unterschiedliches gemeint sein.
Vielleicht legst du Geld für den nächsten Urlaub zurück. Vielleicht weißt du, dass dein Auto irgendwann ersetzt werden muss. Oder für den Nachwuchs stehen irgendwann Kinderwagen, Kinderzimmer und Erstausstattung an.
All das ist Sparen.
Aber es ist nicht automatisch Vermögensaufbau.
Das Prinzip des Zickzacksparens
Nennen wir es für diesen Finanzhirn-Gedanken einmal Zickzacksparen.
Das ist kein finanzwissenschaftlicher Fachbegriff, sondern einfach ein Bild für ein Muster, das wahrscheinlich viele von uns kennen.
Du fängst bei null an und legst regelmäßig Geld zurück. Das Guthaben wächst – bis die geplante Ausgabe kommt.
Vielleicht wird eine neue Küche gekauft, ein Umzug finanziert oder eine größere Familienfeier bezahlt.
Danach ist ein großer Teil des angesparten Geldes wieder weg – und für das nächste Ziel beginnt der Aufbau von vorne.
Das Vermögen bewegt sich dadurch gewissermaßen im Zickzack:
ansparen → ausgeben → wieder ansparen → wieder ausgeben.
Und daran ist überhaupt nichts falsch.
Im Gegenteil: Größere Ausgaben vorher einzuplanen und dafür Geld zurückzulegen, ist meist deutlich entspannter, als erst dann über die Finanzierung nachzudenken, wenn die Rechnung bereits vor einem liegt.
Dieses Geld erfüllt eine bestimmte Aufgabe
Zickzacksparen hilft uns dabei, zukünftige Ausgaben aus bereits vorhandenem Geld zu finanzieren.
Das kann ganz unterschiedliche Bereiche unseres Lebens betreffen – etwa Wohnen, Mobilität, Familie, Freizeit oder besondere Lebensereignisse.
Gemeinsam ist diesen Rücklagen vor allem eines:
Das angesparte Geld soll irgendwann für einen bestimmten Zweck wieder ausgegeben werden.
Nach der Ausgabe ist es ganz oder teilweise verbraucht.
Beim langfristigen Vermögensaufbau verfolgen wir dagegen ein anderes Ziel.
Vermögen soll länger für uns arbeiten
Ein Teil unseres Geldes soll möglichst nicht bei der nächsten größeren Ausgabe wieder verschwinden, sondern über viele Jahre Vermögen bleiben und gegebenenfalls weiter wachsen.
Dieses Vermögen kann später Aufgaben übernehmen, die heute noch unser Erwerbseinkommen erfüllt.
Vielleicht möchtest du irgendwann deine Arbeitszeit reduzieren. Vielleicht gibt es eine Elternzeit oder eine längere Auszeit. Vielleicht fällt dein Erwerbseinkommen zeitweise geringer aus, beispielsweise aufgrund einer Krankheit.
Und irgendwann kommt für die meisten Menschen der Ruhestand.
Auch Altersvorsorge ist deshalb im Kern langfristiger Vermögensaufbau: Wir verzichten heute auf einen Teil unseres Einkommens, damit daraus später Einkommen oder finanzielle Möglichkeiten entstehen können, wenn das Erwerbseinkommen geringer wird oder ganz wegfällt.
Natürlich wird auch dieses Vermögen irgendwann genutzt und teilweise oder vollständig verbraucht.
Der Unterschied liegt also nicht darin, ob Geld jemals wieder ausgegeben wird.
Sondern vielmehr darin, welche Aufgabe es bis dahin erfüllt.
Nicht jeder gesparte Euro hat also dieselbe Aufgabe
Der eine Euro wird zurückgelegt, damit er später für eine konkrete Ausgabe verwendet werden kann.
Der andere wird zurückgelegt, damit daraus langfristig Vermögen entsteht.
Beides ist sinnvoll.
Und beides gehört zu einer guten Finanzplanung.
Problematisch wird es lediglich, wenn wir beide Dinge miteinander verwechseln.
Denn jemand kann durchaus jeden Monat einen beträchtlichen Betrag sparen und trotzdem über viele Jahre kaum dauerhaft Vermögen aufbauen – wenn das angesparte Geld regelmäßig wieder vollständig für größere Ausgaben verwendet wird.
Auf dem Konto fühlt sich das Sparen trotzdem nach Fortschritt an.
Und kurzfristig ist es das auch.
Nur erfüllt es eben eine andere Aufgabe.
Vielleicht braucht Sparen deshalb zwei Blickrichtungen
Die eine richtet sich auf Ausgaben, von denen wir wissen, dass sie irgendwann kommen.
Die andere richtet sich weiter nach vorne.
Welcher Teil meines Einkommens soll langfristig Vermögen werden und möglichst nicht bei der nächsten größeren Ausgabe wieder verschwinden?
Erst wenn wir diese beiden Aufgaben voneinander unterscheiden, können wir sinnvoll darüber nachdenken, wie viel wir eigentlich sparen sollten.
Ein Gedanke für dich
Falls du bereits Geld zurücklegst, schau einmal darauf, welche Aufgaben dieses Geld eigentlich hat.
Welche Beträge sind dafür gedacht, irgendwann wieder ausgegeben zu werden?
Und welcher Teil soll möglichst langfristig Vermögen bleiben?
Vielleicht stellst du fest:
Ein großer Teil meines Sparens ist eigentlich Zickzacksparen.
Oder:
Ich habe bereits einen festen Teil, der unabhängig von größeren Ausgaben langfristig Vermögen werden soll.
Und falls du bisher noch nichts zurücklegst, kannst du dir überlegen, welche dieser beiden Aufgaben für dich zuerst wichtig werden könnte.
Vielleicht lohnt sich außerdem noch eine etwas ungewöhnliche Frage:
Was ist Altersvorsorge eigentlich für dich – Sparen, Vermögensaufbau oder vielleicht sogar beides?
Entscheidend ist weniger die Bezeichnung als die Aufgabe dahinter: Geld wird heute zurückgelegt, damit es später finanzielle Möglichkeiten schaffen oder fehlendes Erwerbseinkommen mit ersetzen kann.
Beides ist eine hilfreiche Erkenntnis.
Denn erst wenn wir wissen, wofür wir sparen, können wir uns die nächste Frage stellen:
Wie viel Sparen ist eigentlich genug?
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