Wie viel müssen wir für Vermögensaufbau und Altersvorsorge zurücklegen?
Finanzhirn-Gedanke Nr. 6
Warum sich Altersvorsorge viel schwerer planen lässt als ein neues Auto.
Im letzten Finanzhirn-Gedanken war die Rechnung noch ziemlich einfach.
Du möchtest in vier Jahren 12.000 Euro für ein neues Auto haben?
Dann kannst du den Zielbetrag durch die verbleibenden Monate teilen und erhältst zumindest einen ersten Plan für deine Sparrate.
Beim langfristigen Vermögensaufbau und bei der Altersvorsorge wird es deutlich schwieriger.
Denn hier fehlen uns häufig genau die beiden Größen, die das Zickzacksparen so einfach machen:
Wie viel Geld brauche ich?
und
Wann brauche ich es?
Je klarer Betrag und Zeitpunkt, desto einfacher die Planung
Manche Aufgaben liegen irgendwo zwischen Zickzacksparen und Vermögensaufbau.
Vielleicht möchtest du beispielsweise zwölf Monate Elternzeit nehmen und weißt schon heute, dass dir in dieser Zeit ungefähr 1.500 Euro pro Monat fehlen werden.
Dann kannst du grob rechnen:
12 Monate × 1.500 Euro = 18.000 Euro.
Ob wir das nun Zickzacksparen oder Vermögensaufbau nennen, ist gar nicht so entscheidend.
Wichtiger ist:
Je genauer Betrag und Zeitpunkt feststehen, desto ähnlicher wird die Aufgabe dem Zickzacksparen. Je länger der Zeitraum und je offener der spätere Bedarf, desto mehr bewegen wir uns in Richtung Vermögensaufbau und Altersvorsorge.
Und genau dort beginnt die eigentliche Schwierigkeit.
Bei der Altersvorsorge kennen wir das Ziel oft selbst nicht
Wie viel Vermögen brauchst du im Ruhestand?
Vielleicht soll es deine gesetzliche Rente oder Beamtenversorgung ergänzen.
Vielleicht möchtest du später weniger arbeiten oder früher aufhören.
Vielleicht möchtest du finanzielle Sicherheit für den Fall schaffen, dass zusätzliche Ausgaben entstehen.
Oder du möchtest später deine Kinder oder Enkelkinder unterstützen können – beispielsweise bei Ausbildung, Hochzeit oder dem ersten Eigenheim.
All das können Gründe sein, langfristig Vermögen aufzubauen.
Nur kennen wir heute häufig weder den genauen Betrag noch den Zeitpunkt.
Wie hoch werden deine späteren gesetzlichen Leistungen tatsächlich sein?
Welchen Lebensstandard möchtest du dann führen?
Wie lange wirst du leben?
Wirst du irgendwann pflegebedürftig – und wenn ja, wie lange und mit welchen zusätzlichen Kosten?
Bei langfristigem Vermögensaufbau planen wir deshalb mit sehr viel mehr Unbekannten.
Zwei typische Wege zur „richtigen“ Sparrate
Oft begegnen uns deshalb zwei Ansätze.
Der erste ist sehr einfach:
„Spare für deine Altersvorsorge einfach einen bestimmten Prozentsatz deines Einkommens.“
10 Prozent. 15 Prozent. 20 Prozent.
Das kann als Orientierung hilfreich sein.
Aber eine solche Zahl weiß nichts darüber, wie alt du bist, wann du angefangen hast, welches Vermögen bereits vorhanden ist oder welche Versorgung du später erwarten kannst.
Der zweite Ansatz wirkt deutlich genauer:
Man versucht, den gewünschten Lebensstandard im Ruhestand zu bestimmen, zieht erwartete Rente, Beamtenversorgung und andere Einkünfte ab und berechnet daraus eine Versorgungslücke.
Aus dieser Lücke wird anschließend ein benötigtes Vermögen und daraus wiederum eine Sparrate abgeleitet.
Das ist deutlich individueller.
Aber auch diese Rechnung ist nur so genau wie ihre Annahmen.
Kleine Annahmen können langfristig große Wirkung haben
Über 20, 30 oder 40 Jahre spielt nicht nur eine Rolle, wie viel wir einzahlen.
Auch die Inflation verändert die Kaufkraft unseres Geldes.
Die Wertentwicklung unserer Kapitalanlage beeinflusst, wie stark unser Vermögen wächst.
Und selbst kleine Veränderungen dieser Annahmen können über Jahrzehnte einen großen Unterschied machen.
Schon beim Finanzhirn-Gedanken Nr. 2 hatten wir deshalb festgehalten:
Eine Berechnung kann exakt sein – obwohl ihre Annahmen es nicht sind.
Bei der Altersvorsorge wird genau das besonders sichtbar.
Die pauschale Prozentregel ist sehr einfach, aber sehr grob.
Die Berechnung einer Versorgungslücke ist deutlich individueller – aber trotzdem keine sichere Vorhersage der Zukunft.
Planung bleibt trotzdem sinnvoll
Die Konsequenz sollte deshalb nicht sein:
„Dann kann ich es sowieso nicht berechnen.“
Sondern eher:
„Ich brauche einen vernünftigen Plan, obwohl ich die Zukunft nicht exakt kenne.“
Wir können Annahmen treffen.
Wir können grob abschätzen, was wir später benötigen könnten.
Wir können daraus eine Sparrate ableiten.
Und vor allem:
Wir können diesen Plan regelmäßig überprüfen und anpassen.
Denn mit jedem Jahr wissen wir ein bisschen mehr über unser Einkommen, unser Vermögen, unsere Ziele und unser späteres Leben.
Ein Gedanke für dich
Stell dir vor, du würdest heute einen Plan für deine Altersvorsorge aufstellen.
Einige Dinge kennst du vielleicht schon recht gut.
Andere kannst du nur schätzen.
Welche Annahmen in deinem Plan könnten sich in den nächsten Jahren deutlich verändern?
Vielleicht dein Einkommen.
Dein gewünschter Lebensstandard.
Deine spätere Rente oder Beamtenversorgung.
Dein Vermögen.
Der Zeitpunkt, zu dem du weniger oder gar nicht mehr arbeiten möchtest.
Und dann stell dir noch eine zweite Frage:
Wann würdest du diesen Plan das nächste Mal überprüfen?
Denn bei langfristiger Finanzplanung geht es nicht darum, heute die perfekte Rechnung für die nächsten 30 Jahre zu finden.
Ein guter Altersvorsorgeplan muss nicht perfekt sein. Er muss aktuell bleiben.
Der Finanzhirn-Gedanke
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