Wie sicher sind Rente, Pension und Versorgungswerk?
Finanzhirn-Gedanke Nr. 7
Warum „garantiert“ und „da bekomme ich sowieso nichts“ beide zu kurz greifen.
Im letzten Finanzhirn-Gedanken haben wir über die Planung unserer Altersvorsorge gesprochen. Eine Erkenntnis war dabei besonders wichtig:
Ein guter Altersvorsorgeplan muss nicht perfekt sein. Er muss aktuell bleiben.
Und genau das bedeutet auch, dass wir die Annahmen hinter unserem Plan regelmäßig überprüfen sollten. Eine davon ist besonders entscheidend:
Mit welchen späteren Einkünften können wir eigentlich rechnen?
Gesetzliche Rente, Beamtenversorgung oder berufsständisches Versorgungswerk – wie sicher sind diese Leistungen eigentlich?
Zwischen zwei Extremen liegt ziemlich viel Raum
Bei diesem Thema begegnen uns häufig zwei sehr unterschiedliche Aussagen.
Auf der einen Seite:
„Bis ich in Rente gehe, bekomme ich sowieso nichts mehr.“
Auf der anderen:
„Meine Rente oder Pension ist schließlich sicher beziehungsweise garantiert.“
Für eine langfristige Finanzplanung greifen beide Aussagen jedoch zu kurz. Denn ein Versorgungssystem kann sehr lange bestehen – und sich innerhalb dieser Zeit trotzdem verändern.
Ein Blick zurück zeigt genau das
Die gesetzliche Altersversicherung wurde bereits 1889 eingeführt. Damals begann die Altersrente erst mit 70 Jahren und hatte noch nicht die Aufgabe, den vorherigen Lebensstandard zu sichern. Sie war zunächst eher als Unterstützung zum Lebensunterhalt gedacht. Erst mit späteren Reformen und dem Ausbau des Sozialstaates erreichten die Renten ein deutlich höheres Niveau und übernahmen zunehmend die Aufgabe, den bisherigen Lebensstandard auch im Alter mit abzusichern.
Entscheidend ist dabei:
Das System besteht seit weit über 100 Jahren – seine Regeln sind trotzdem nicht dieselben geblieben.
„Sicher“ bedeutet nicht automatisch „unveränderlich“
Das gilt nicht nur für die gesetzliche Rente. Auch Beamtenversorgung und berufsständische Versorgungswerke stehen auf festen rechtlichen Grundlagen.
Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass heutige Leistungshöhen, Altersgrenzen oder Berechnungsregeln für die nächsten zehn, 20, 30 oder 40 Jahre unverändert bleiben müssen.
Und Veränderungen erfolgen nicht einfach, um zukünftigen Rentnern, Pensionären oder Mitgliedern eines Versorgungswerks etwas wegzunehmen.
Versorgungssysteme müssen langfristig finanzierbar bleiben.
Denn die Rahmenbedingungen verändern sich
Ein besonders wichtiger Punkt ist unsere Lebenserwartung.
Ein 65-jähriger Mann hatte Ende des 19. Jahrhunderts statistisch noch gut neun weitere Lebensjahre vor sich.
Heute sind es rund 18 Jahre.
Das ist zunächst einmal etwas sehr Positives. Für Alterssicherungssysteme bedeutet ein längeres Leben aber in der Regel auch: Leistungen müssen über einen längeren Zeitraum finanziert werden.
Gleichzeitig verändern sich die Bevölkerungsstruktur, die Zahl der Erwerbstätigen, Kapitalmärkte und viele weitere Rahmenbedingungen.
Langfristige Versorgung muss deshalb anpassungsfähig sein.
Was bedeutet das für unsere eigene Planung?
Vielleicht ist die entscheidende Frage deshalb nicht:
„Ist meine spätere Versorgung sicher?“
Sondern:
„Was kann ich heute vernünftigerweise einplanen – und welche Annahmen sollte ich regelmäßig überprüfen?“
Eine heutige Hochrechnung unserer späteren Versorgung ist deshalb keineswegs wertlos.
Im Gegenteil! Sie ist eine wichtige Grundlage unserer Planung.
Wir sollten nur vermeiden, aus einer heutigen Hochrechnung eine unveränderliche Zusage für mehrere Jahrzehnte zu machen.
Ein Gedanke für dich
Falls du eine aktuelle Information zu deiner späteren Altersversorgung hast, schau einmal auf die dort ausgewiesene Leistung.
Und sei dir dabei bewusst: Sie zeigt den Stand heute.
Das bedeutet nicht: „Darauf kann ich mich sowieso nicht verlassen.“
Aber eben auch nicht: „Genau diesen Betrag werde ich garantiert erhalten.“
Vielleicht ist genau diese Mitte die sinnvollste Grundlage für eine langfristige Finanzplanung:
Mit dem planen, was wir heute wissen – und regelmäßig überprüfen, was sich verändert hat.
Der Finanzhirn-Gedanke
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