Wie viel musst du eigentlich für deine Altersvorsorge zurücklegen?
Finanzhirn-Gedanke Nr. 8
Warum eine ungenaue Zahl trotzdem eine ziemlich gute Orientierung sein kann.
In den vergangenen Wochen haben wir uns intensiv mit unserer Altersvorsorge beschäftigt.
Wir haben gesehen, wie viele Annahmen langfristige Finanzplanung benötigt. Und im letzten Finanzhirn-Gedanken ging es darum, wie sicher gesetzliche Rente, Beamtenversorgung oder Leistungen eines Versorgungswerks eigentlich sind.
Damit kommen wir jetzt zu einer ziemlich naheliegenden Frage:
Wie viel muss ich denn nun selbst für meine Altersvorsorge zurücklegen?
Der Ruhestand kann eine der größten finanziellen Aufgaben unseres Lebens sein
Nicht, weil er zwangsläufig zu einem finanziellen Problem werden muss.
Sondern weil wir möglicherweise viele Jahre oder sogar Jahrzehnte finanzieren müssen, in denen Erwerbseinkommen keine oder nur noch eine kleinere Rolle spielt.
Ob unsere spätere Altersversorgung und andere Einkünfte dafür ausreichen, wissen wir heute nicht. Vielleicht ja, vielleicht teilweise – vielleicht entsteht aber auch eine größere Lücke.
Genau deshalb lohnt es sich, regelmäßig zu prüfen, wo wir eigentlich stehen.
Irgendwo müssen wir mit der Rechnung anfangen
Dafür können wir zunächst zwei Größen gegenüberstellen:
Wie viel Geld möchte ich im Ruhestand ungefähr monatlich zur Verfügung haben?
und
Welche regelmäßigen Einkünfte erwarte ich nach heutigem Stand?
Vereinfacht ergibt sich daraus:
Gewünschtes monatliches Einkommen im Ruhestand
– erwartete monatliche Einkünfte
= mögliche Versorgungslücke
Angenommen, du möchtest später 3.000 Euro monatlich zur Verfügung haben und erwartest aus deiner bisherigen Altersversorgung sowie anderen regelmäßigen Einkünften nach heutigem Stand 2.200 Euro.
Dann ergibt sich zunächst:
3.000 Euro – 2.200 Euro = 800 Euro monatliche Lücke.
Ist diese Zahl richtig?
Das wissen wir nicht.
Aber sie gibt uns einen ersten Orientierungspunkt.
Aus der Lücke kann ein grober Kapitalbedarf entstehen
Im nächsten Schritt könnten wir überlegen, wie lange eigenes Vermögen diese Lücke mitfinanzieren müsste.
Nehmen wir sehr vereinfacht 25 Jahre:
800 Euro × 12 Monate × 25 Jahre = 240.000 Euro.
Das wäre eine erste grobe Größenordnung.
Aber genau hier wird es wichtig, die Rechnung richtig einzuordnen.
Sie berücksichtigt zum Beispiel noch nicht, wie sich Inflation, Wertentwicklung, Steuern oder unser Lebensstandard entwickeln. Und natürlich wissen wir auch nicht, ob die angenommenen 25 Jahre überhaupt passen.
Die Zahl ist deshalb keine Vorhersage. Sie ist eine Arbeitsgröße.
Von der Arbeitsgröße zur Sparrate
Jetzt können wir anschauen, was bereits vorhanden ist.
Vielleicht gibt es schon Vermögen, eine betriebliche Altersversorgung, private Vorsorge oder andere Bausteine.
Sehr vereinfacht:
Benötigtes Vermögen
– bereits vorhandenes Vorsorgevermögen
= noch aufzubauendes Vermögen
Dieses noch aufzubauende Vermögen müssen wir anschließend auf die verbleibende Zeit bis zum Ruhestand verteilen.
Dabei spielen Wertentwicklung, Inflation, Sparzeit und weitere Annahmen eine Rolle.
Am Ende entsteht daraus eine monatliche Sparrate.
Nicht die eine mathematisch „richtige“ Sparrate für den Rest unseres Lebens.
Sondern:
eine Sparrate, die nach unserem heutigen Wissensstand zu unserer Planung passen könnte.
Genau deshalb braucht Altersvorsorge einen regelmäßigen Check
Je weiter der Ruhestand entfernt ist, desto größer sind die Unsicherheiten. Und je näher er kommt, desto mehr wissen wir über unser tatsächliches Einkommen, unser Vermögen, unsere Versorgung und unsere Wünsche.
Deshalb würde ich die Altersvorsorge nicht einmal berechnen und anschließend für 30 Jahre in einer Schublade verschwinden lassen.
Vielleicht braucht sie stattdessen einmal im Jahr einen kleinen: Ruhestands-Check.
Dabei könnten wir beispielsweise prüfen, wie sich unser Vermögen entwickelt hat, welche späteren Einkünfte aktuell prognostiziert werden und ob sich unser gewünschter Lebensstandard oder der geplante Ruhestandsbeginn verändert haben.
Und anschließend stellen wir uns die entscheidende Frage:
Passt unsere heutige Sparrate noch zu diesen Annahmen?
Vielleicht muss sie steigen, vielleicht kann sie sinken oder vielleicht passt weiterhin alles.
Entscheidend ist, dass wir überhaupt wissen, wo wir stehen.
Und damit zurück zur Frage vom Anfang
Wie viel musst du eigentlich für deine Altersvorsorge zurücklegen?
Eine pauschale Antwort wie 10, 15 oder 20 Prozent kann darauf keine verlässliche Antwort geben.
Vereinfacht gesagt:
Du solltest so viel zurücklegen, dass dein bereits vorhandenes Vermögen und deine zukünftigen Sparraten die mögliche Lücke zwischen deinem späteren Bedarf und deinen erwarteten Einkünften möglichst gut schließen können.
Wie hoch dieser Betrag für dich heute ist, kannst du aber erst sinnvoll beurteilen, wenn du deine eigene Ausgangslage kennst.
Und genau deshalb war diese etwas größere Runde notwendig.
Denn der Finanzhirn-Gedanke möchte nicht auf jede komplizierte Frage eine schnelle, scheinbar einfache Formel setzen.
Er soll helfen, den Zusammenhang zu verstehen, bevor wir einzelne Zahlen berechnen.
Eine mathematisch exakte Rechnung kann schließlich trotzdem auf Annahmen beruhen, die sich später verändern.
Ein Gedanke für dich
Vielleicht musst du heute noch gar nichts an deiner Altersvorsorge verändern.
Vielleicht reicht fürs Erste eine andere Entscheidung:
„Ich möchte wissen, wo ich eigentlich stehe.“
Dafür kannst du dir zunächst vier Dinge anschauen: Wie viel möchtest du später ungefähr monatlich zur Verfügung haben? Welche regelmäßigen Einkünfte erwartest du nach heutigem Stand? Welches Vermögen und welche weitere Altersvorsorge sind bereits vorhanden? Und wie viel Zeit bleibt dir ungefähr noch bis zum Ruhestand?
Das ist noch keine perfekte Ruhestandsplanung.
Aber es ist eine Bestandsaufnahme.
Und vielleicht wird daraus künftig einmal im Jahr dein persönlicher Ruhestands-Check.
Denn Altersvorsorgeplanung bedeutet nicht, heute schon genau zu wissen, wie dein Leben in 20 oder 30 Jahren aussehen wird.
Sie bedeutet, heute eine Orientierung zu haben – und diese immer wieder an dein tatsächliches Leben anzupassen.
Der Finanzhirn-Gedanke
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